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WINTERSTARRE

 

Die europäischen Landschildkröten halten eine Winterstarre. Hier reduzieren sie so stark ihre Körperfunktionen, dass sogar Herzschlag und Atmung verlangsamt sind. Diese Starre wird nur optimal ausgelöst, wenn die Tiere in einer Temperatur von 3 - 6°C leben. Um nicht auszutrocknen, benötigen sie eine gewisse Luftfeuchtigkeit, die über das Überwinterungsubstrat geliefert wird. Da man immer versuchen sollte, die Bedingungen der Natur nachzuempfinden, müssen die Tiere jedes Jahr in die Winterruhe. Dies ist auch für die Schlüpflinge schon im ersten Jahr notwendig. Es dürfen nur gesunde Tiere in die Winterstarre gegeben werden! Deshalb sollte die Tiere mindestens einmal im Jahr dem Tierarzt vorgestellt werden. Spätestens Anfang September muss somit eine Kotuntersuchung in Bezug auf Parasiten durchgeführt werden. 

 

Verwehrt man den Tieren diese Winterruhe, wird der gesamte Biorhytmus erheblich gestört. Über die Ausmaße der Problematik von fehlender Winterstarre sind noch zu wenige Untersuchungen gemacht worden. Aber allein, dass die Weibchen im darauf folgendem Jahr nicht mehr fortpflanzungsfähig sind, lässt erahnen, wie wichtig die Winterstarre ist. Die Tiere, die auf Dauer keine Winterruhe hatten, haben ein schwaches Immunsystem und sind somit krankheitsanfälliger. Diese Tiere haben dann keine Chance mehr, einfache Krankheiten, wie z.B. eine Erkältung oder Lungenentzündungen, zu überleben.

 

Wenn die Tiere das ganze Jahr im Freigehege sind, ist eine Vorbereitungszeit für die Winterstarre kein Thema. Die Tiere stellen sich selbst auf die Winterruhe ein. Werfen die Bäume das Laub ab, ist der Zeitpunkt gekommen die Winterstarre-Vorbereitung der Tiere zu unterstützen. D.h. aber nur, dass Laub gesammelt werden sollte und es in eine Hälfte der Gewächshäuser/Frühbeete verteilt werden. Die andere Hälfte bleibt frei. Dort finden die Tiere noch Wasser und Heu. Die Wärmezufuhr durch Heizlampen wird kürzer und ab Mitte November dann ganz ausgelassen. Zu dieser Zeit sieht man dann nur noch die Männchen im Gewächshaus umherwandern. Die Weibchen sind meisten schon unter dem Laubhaufen verborgen. Auch hier muss man bedenken, dass eine Geschlechtertrennung notwendig ist. 

 

Ist die Temperatur permanent bei 2 - 10°C in den Gewächshäusern/Frühbeeten, werden auch die Männer ruhig. 

 

In den Überwinterungskisten kommt eine dicke Bodenschicht mit feuchter Gartenerde, evtl. leicht mit Rindenhumus (nicht Rindenmulch) gemischt. Danach setzt man die Tiere, die schon tief ruhen, auf die Erde, fülle meistens noch die Seiten mit leicht feuchter Erde auf und lege dann über die Tiere feuchtes Laub. Das Ganze wird dann mit einem Deckel (mit Luftlöchern) abgedeckt und in den Kühlschrank geschoben. Der Kühlschrank sollte dann eine Temperatur von ca. 6° C. haben. Ein Keller oder nicht isolierter Dachboden mit gleichbleibenden kalten Temperaturen eignet sich selbstverständlich ebenso. Ich persönlich schrecke nach wie vor davor zurück, meine Tiere in den Kühlschrank zu geben. 

 

Bei der Überwinterung im Kühlschrank ist vorrangig darauf zu achten, dass die Kühlschranktüren regelmäßig geöffnet werden, damit Frischluft zugeführt wird.

 

Eine Kontrolle, ob die Tiere noch leben, habe ich mir schon seit Jahren abgewöhnt. Wenn die Tiere gesund waren, kann ihnen nichts passieren. Jegliches Hochheben und Wiegen während der Ruhephase kann die Tiere nur stören. Nur der Feuchtigkeitszustand des Überwinterungssubstrates muss regelmäßig kontrolliert werden und bei Bedarf nachgefeuchtet werden.